Sie wird Dein Spiegel sein

Einzelausstellung in der Galerie Christian Pixis, 2010

Schlaf, Detail

Schlaf, Detail
S/W Fotografie im Spiegelmodell, 2010

Pixis Schlaf 2010

3 Pixis SW Spiegel

Schwarzer Spiegel, 2010

Schwarzer Spiegel, Lack auf Plexiglas über Graphit auf Papier

Schwarzer Spiegel, Graphit auf Papier, 100 x 190 cm, 2010

Schwarzer Spiegel, Graphit auf Papier, 100 x 190 cm, 2010

" I´m your mirror", Portrait im endlosen Raum, 2010

„I´m your mirror“, Portrait im endlosen Raum, 2010

Herzlinie, Graphit auf MDF, 2010

Herzlinie, Graphit auf MDF, 2010

 

Zwischenräume

„Sometimes the reflection is far more present than the thing being reflected.“ The Limits of Control von Jim Jarmusch

Spiegel erzeugen keine Bilder. Sie reflektieren und zeigen die Welt selbst. Von Spiegelbild zu sprechen ist falsch, denn das, was wir Spiegelbild nennen, existiert nicht für sich, wie etwa eine Photographie auch noch existiert, wenn der auf der Photographie abgebildete den Raum längst verlassen hat. Spiegel lassen uns die Welt aus einem anderen Gesichtspunkt sehen, und Umberto Ecco nennt sie deshalb Prothesen der Wahrnehmung.

Die schwarzen Spiegel Gesine Brauns sind ebenfalls keine Bilder, es wird nichts durch sie dargestellt oder abgebildet. Aber wie wirkliche Spiegel lassen sie uns einen anderen Gesichtspunkt einnehmen. Sie lassen uns Zwischenräume sehen, die von unserem Standpunkt aus vorher nicht sichtbar waren, die vielleicht vorher gar nicht existiert haben.

Tatsächlich stehen wir in Gesine Brauns Arbeiten immer wieder dazwischen, zwischen großen elliptischen Wandarbeiten oder kleinen spiegelnden Metallellipsen, die miteinander korrespondierend Raumachsen schaffen.Die Räume, die Gesine Braun und hier zeigt, beginnen in unserer Vorstellung und außerhalb unserer Wahrnehmung, auf der uns unzugänglichen Seite der Oberflächen.

Überhaupt, die Oberflächen: in den matten Graphitflächen und den weichen Lackierungen liegt eine Verführung, die diese blinden Spiegel zu verlockenden Türen macht, die wir vielleicht durchschreiten könnten, wie Cocteau Orpheé auf dem Weg in die Unterwelt. Aber während Cocteaus Spiegel den Menschen das eigene Altern zeigen und ihnen damit den Zugang zur Welt der Toten öffnen, ist die Welt hinter Gesine Brauns Spiegeln das dem Gesichtssinn nicht zugängliche Eigentliche. Aber die Spiegel geben keine einfachen Antworten. Der Künstlerin auf ihrem Weg zu folgen bedeutet also sich auf die Suche nach dem Eigentlichen zu begeben, als Reisende in die Brechungen des Raums, die prismatischen Faltungen, die räumlich Getrenntes zusammenbringen.

Juli 2010

Selavy Oh http://ohselavy.blogspot.com/